Willkommen

FRANK GROHMANN

Psychoanalytiker

Psychoanalytische Praxis, Supervision, Beratung, Forschung & Lehre


»Es war eine der ersten Anwendungen der Psychoanalyse, dass sie uns die Gegnerschaft verstehen lehrte, die uns die Mitwelt bewies, weil wir Psychoanalyse trieben.«

Sigmund Freud 1933

AKTUELL

 

»Junktim #2 — Alles was Recht ist?«

 

Auch wenn Sigmund Freuds Frage an den Juristen Hans Kelsen, nämlich: ob es einen anderen Weg gibt als den ärztlichen, um herauszufinden, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht, sich ohne viel Zutun als eine rhetorische Frage zu erkennen gibt, so verstehen sich die damit aufgeworfenen weiteren Fragen keineswegs von alleine. Tatsächlich sind diese so alt wie die Psychoanalyse selbst. Und es ist von daher, dass wir uns dazu entschlossen haben, jenen Fragen in diesem zweiten Heft von Junktim nachgehen zu wollen. Zugleich sind Antworten auf diese Fragen heute, achtzig Jahre nach Sigmund Freuds Tod, wie es scheint, dringlicher geboten als jemals zuvor. Als vorläufiges Ergebnis der hier vorgestellten Untersuchungen ergibt sich nicht nur, dass man bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen unweigerlich auf die Herausforderung stößt, wie sich die psychoanalytische Disziplin überhaupt begründen, also: auf eigene Beine stellen lässt, sondern darüber hinaus, dass Freud sich in diesem Zusammenhang nicht von ungefähr mit seiner Frage an einen Rechtswissenschaftler gewendet hat.
Denn nicht nur die obige Frage Freuds an Kelsen, sondern auch dessen ›Unterredung mit einem Unparteiischen‹ über die Frage der Laienanalyse, betrifft und eröffnet in diesem Sinne das Thema der Verbindung zwischen Psychoanalyse und Rechtswissenschaft: insofern die Frage der Laienanalyse die Frage der Psychoanalyse ist, und weil gerade die Begründung der Psychoanalyse als Laienanalyse die Verwandtschaft der »inneren Entwicklungsmöglichkeiten« der Psychoanalyse mit jenen der Rechtswissenschaft zu Tage bringt, — zumindest mit den inneren Entwicklungsmöglichkeiten von Hans Kelsens ›Reiner Rechtslehre‹. Und so benennt das Freud’sche Wort vom »Junktim« nicht nur das einzig die Psychoanalyse auszeichnende »kostbare Zusammentreffen« von Heilen und Forschen als einen ihrer Grundsteine, sondern legt dieser juridische Begriff es zudem nahe, ausgehend von jener Bemerkung des Begründers der Psychoanalyse, das Verhältnis von psychoanalytischem und juridischem Diskurs überhaupt zu untersuchen.

 

 

 

 

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100 Jahre »Jenseits des Lustprinzips« (1919-20)

 

Sigmund Freuds Begründungsversuch eines ›Jenseits des Lustprinzips‹ geht von einem »großen X«, »welches wir in jede Formel mit hinübernehmen«, aus und führt ihn zu nichts anderem als zu einer »Gleichung mit zwei Unbekannten«. Davon zeugen nicht nur Freuds eigene Worte, sondern umso deutlicher ein Blick auf die lange verborgen gebliebene ›Entwicklungsgeschichte‹ dieses Textes aus den Jahren 1919 bis 1920. Auf das Ende des fünften Kapitels folgte in der Erstfassung das letzte (alte sechste, heutige siebte) Kapitel, mit dem Freud besonders unzufrieden war, weil er, an dieser Stelle angelangt, erkennen musste, dass Lustprinzip und Wiederholungszwang sich scheinbar nicht ohne Weiteres in der metapsychologischen Theorie miteinander vereinbaren lassen, — weshalb diese zwischen Mitte März und Mitte April 1919 ausgearbeitete Erstfassung auch nicht anders als unvermittelt endet. Die im Juli 1919 wiederaufgenommene Arbeit an dem Manuskript besteht wesentlich in der Abfassung eines neuen (heute sechsten) Kapitels, das Freud zwischen das vorletzte (fünfte) und letzte (heute siebte) der Erstfassung einfügen wird — allerdings ohne dies in irgendeiner Weise kenntlich zu machen. Dieser Umstand enthüllt, dass die Erstfassung des freudschen Textes in dem Versuch bestand, ein »Jenseits« des Lustprinzips ohne Todestrieb und ohne Eros theoretisch zu begründen. Erst in dem nachträglich eingesetzten Kapitel geht es um die Einführung der beiden neuen Begriffe. Diese ist bekanntlich von dem Versuch begleitet, zur Begründung seiner »Spekulation« »Anleihen« zunächst bei der Biologie, und dann, weil jene nicht befriedigen können, auf einem ganz anderen Feld zu nehmen, nämlich auf dem der Philosophie, genauer: bei der Theorie, die Plato im »Symposion«durch Aristophanes entwickeln lässt. Weil aber auch Letztere nicht fruchten wollen, bricht Freud seine Überlegungen auch in diesem nachträglich erarbeiteten —und seinem ursprünglichen Manuskript ohne entsprechenden Vermerk eingefügten— Kapitel einmal mehr noch so abrupt ab.

 

 

 

Institut für analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie

19. August, 2. &. 16. September 2019

Der Stellenwert der Hysterie für die Begründung der wissenschaftlichen Psychoanalyse: Von den »Studien über Hysterie« zum »Bruchstück einer Hysterie-Analyse«

Freuds Agorá - Skole for psykoanalysen, Kopenhagen

3. November 2019

Mythos und Signifikant

Psychoanalytische Bibliothek Berlin

28. Januar 2020

Elemente der Psychoanalyse: Hysterie


Freuds Agorá - Skole for psykoanalysen, Kopenhagen

2. Februar 2020

»Diese für unsere Wissenschaftlichkeit beschämende Korrektur«. Überlegungen zum Übertragungsgeschehen und seiner Handhabung

Psychoanalytiker Frank Grohmann  ©  Berlin